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Grafschafter Nachrichten vom 08.02.71

DK2QP für PAOWK

"Vom Hochfrequenzbazillus infiziert" - Eineinhalb Jahre Ausbildung

PR N o r d h o r n. DK2QP für PA0WK... . Das ist der Ruf, mit dem der begeisterte Amateurfunker Hartwig Fischer jeden Abend seinen Freund in Rotterdam anspricht. Dieser meldet sich dann und fragt zum Beispiel zurück: wie ist das "WX"? (Wetter). Diese Abkürzungen sind international, und ein ausgebildeter Funker muß immerhin rund 200 von ihnen beherrschen. Um die Lizenz als Amateur zu erhalten, treffen sich jeden Donnerstag in der Gewerblichen Berufsschule rund 30 Damen und Herren. Sie werden von Gewerbe-Studienrat Hartwig Fischer aus Lingen in einem Lehrgang auf die Lizenzprüfung vorbereitet. Die Teilnehmer bezeichneten sich als "vom Hochfrequenzbazillus infiziert" und sind mit Begeisterung bei der Sache.

Der Deutsche Amateur Radio Club (DARC), Ortsverband Grafschaft Bentheim, hat die Ausbildung der rund 30 Teilnehmer übernommen. Unter der Leitung von Hartwig Fischer haben sie ein Lehrprogramm zu bewältigen, das als horrend bezeichnet werden kann. Bevor der angehende Amateurfunker vor der Oberpostdirektion seine Prüfung ab­legt, muß er auf dem technischen Sektor, der Gesetzeskunde und der Betriebstechnik genauestens Bescheid wissen. Nach Meinung von Hartwig Fischer sind ein- bis eineinhalb Jahre Ausbildung notwendig,um die Lizenz als Amateurfunker zu erhalten.

Die Schüler, von denen einige seit Jahren keine Schulbank mehr gedrückt haben, rekrutieren sich aus allen Bevölkerungsschichten. Der 17 Jahre alte Gymnasiast sitzt neben dem 51jährigen Angestellten; sie alle verbindet die Liebe zur Funkerei. Eine Teilnehmerin aus Bentheim möchte das Hobby ihres Mannes teilen, der viele Stunden vor seinem Sende- und Empfangsgerät sitzt. Auch ein blinder Verwaltungsangestellter der Stadt Lingen ist "infiziert". Er schreibt mit einer Spezial-Stenoschreibmaschine die wichtigsten Passagen des Unterrichts mit, so daß er ohne Schwierigkeiten das Pensum bewältigen kann.

• Feststehende Begriffe
Neben der technischen Vorbereitung und der Gesetzeskunde, die besonders wichtig ist, nimmt die Betriebstechnik einen breiten Raum der Ausbildung ein. Der Schüler muß sich mit den internationalen Gepflogenheiten der Funkamateure auskennen. Beherrscht er alle diese Begriffe, so wird er in die Lage versetzt, sich international ohne Sprachprobleme mit seinem Gesprächspartner zu unterhalten. Zunächst erhält der Funker einen eigenen Ruf, zum Beispiel "DK2QP". Will er nun mit irgendeinem Kollegen Verbindung aufnehmen, so schickt er seinem Ruf die Buchstaben "CQ" voraus; das bedeutet "Allgemeiner Anruf". Nach rund drei Minuten Rufzeit wartet er auf der Frequenz, bis sich ein Gesprächspartner gefunden hat. Die Kontaktaufnahme beginnt immer mit "DR OM" (lieber Freund). Dann stellt man sich gegenseitig vor und zwar mit dem Vornamen, erst dann folgt der Name der Stadt (QTH) usw.

• Völkerverbindend
Die Amateurfunker werden vom Geist des Hamspirit (Amateurgeist) beherrscht. Jeder der rund 15000 in der Bundesrepublik tätigen Funker beherzigt das ungeschriebene Gesetz des gegenseitigen Helfens. Zum Beispiel werden die Lehrgangsteilnehmer ehrenamtlich von anderen Amateurfunkern ausgebildet. Diese Aufgabe teilen sich die Ortsverbände des DARC der Grafschaft Bentheim und des Kreises Lingen. Völkerverständigung wird bei den Amateurfunkern groß geschrieben. Ob in Schweden, England, Holland oder Frankreich, überall hat der Amateur seine Freunde und Bekannten, mit denen er sich, neben den feststehenden Begriffen vorwiegend in englischer Sprache, unter anderem über technische Fragen unterhalten kann. Wenn er beispielsweise den Freund in Enschede besuchen will, wird dieser über UKW angerufen. Bei dem Erdbeben in Peru waren die Funkamateure die einzigen, die in der Lage waren, Hilfe herbei zu dirigieren, weil das gesamte Telefonnetz zerstört war.

• Geringe Kosten
Dem Funkamateur entstehen durch seine Leidenschaft keine allzu großen Ausgaben. Die Materialkosten für ein Sende. und Empfangsgerät, das selber zusammengebaut werden kann, wurden mit 200 Mark angegeben. Doch könne man auch Hochleistungsapparate im Wert von rund 4000 Mark kaufen. Die Gebühren bei der Post belaufen sich auf monatlich drei Mark. Der Amateurfunker wird sich keine größere Wohnung nehmen müssen, um seinem Hobby zu frönen. Die Geräte sind nicht größer als ein normales Radio und können somit in jedem Wohnzimmer untergebracht werden.

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Zeitungsartikel GN vom 08.02.1971

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