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Grafschafter Nachrichten vom 28.02.1987

Amateure schlagen weltweit Funkbrücken

Bastellehrgang in der alten Hardinger Schule

Willy Friedrich (Text und Fotos)

Es wird zwar noch eine Weile dauern, bis die 14 Teilnehmer des ersten Bastellehrgangs der Niedergrafter Amateurfunker mit „Bummel durch den Äther“ beginnen können, sie sind auf dem Weg: Vor kurzem haben sie, die alle noch die Schulbank drücken, ihren Kursus in der Amateurfunk- und Computertechnik aufgenommen. Jetzt hantieren unter Anleitung alter Hasen mit feinen und feinsten Werkzeugen an jenen Bausätzen, aus denen ein Funkgerät zusammengefügt wird.

Eine derart positive Resonanz hatten wir nicht erwartet. Der bisherige 1. Vorsitzende des Deutschen Amateur-Radioclubs Niedergrafschaft, Geert Lübbermann aus Getelo, und sein Nachfolger Hermann Woertel (Wilsum) sind angenehm überrascht. Sie wollen die jungen Leute solange schulen, bis sie in Lage sind, die Voraussetzungen für eine Amateurfunk-Lizenz zu erfüllen. Die 14 jungen Leute aus den Samtgemeinden Neuenhaus und Uelsen, die an dem Projekt im Clubheim Hardinger Schule teilnehmen, treffen sich jeweils Montags in der Zeit von 18 bis 20 Uhr. Wenn sie ihren Lehrgang erfolgreich absolvieren und das 14. Lebensjahr erreicht haben, können sie die Prüfung für die amtliche Amateurfunker-Lizenz der Deutschen Bundespost ablegen.

Der Ortsverband Niedergrafschaft im DARC wurde im Jahre 1980 von 30 Interessenten gegründet. Inzwischen zählt er über 40 Mitglieder im Alter von 14 bis 58 Jahren. Vor sechseinhalb Jahren erhielten die Funkamateure ihr eigenes Domizil: Die Gemeinde Halle-Hardingen stellte ihr ehemaliges Schulgebäude in Hardingen zur Verfügung. Mit viel Eigeninitiative und beachtlichem handwerklichen Geschick haben die Amateurfunker ihr Heim im Lauf der Zeit wohnlich gestaltet und die technischen Voraussetzungen für eine »Welt-Funkbrücke« geschaffen.

Bei ihren Bemühungen wurden sie von verschiedenen Seiten, unter anderem auch von namhaften Spezialfirmen, unterstützt. Trotzdem sind noch Wünsche offen: So müßten zum Beispiel die zum Teil schadhaften Fenster dringend erneuert werden. Während der kalten Wintermonate machte sich die Zugluft sehr unangenehm bemerkbar, nicht nur körperlich, sondern vor allem auch bezüglich der Heizkosten. Gespräche mit der Gemeinde und der Samtgemeinde Uelsen haben die Verantwortlichen geführt. Nicht in jedem Fall mit dem gewünschten Erfolg. Trotzdem sind sie dankbar für die ihnen zugebilligte finanzielle Hilfe. Sie weisen jedoch nicht zu Unrecht darauf hin, daß andere (Groß-)Vereine in der Regel großzügiger gefördert werden. Dabei nehmen die Amateurfunker für sich in Anspruch, eine Jugendarbeit zu leisten, die längst nicht jeder andere Verein leisten kann und die es den Teilnehmern auf die Dauer ermöglicht, weltweit eine drahtlose Kommunikation und damit die Völkerverständigung zu pflegen, zum Beispiel mit einem Studenten in Moskau, einem indischen Sikh, dem König von Jordanien oder mit einem Forscher, der sich auf einer wissenschaftlichen Expedition in der Antarktis befindet.

Funkamateure kennen keine Grenzen. Sie fühlen sich als Weltbürger. In vielen Fällen schaffen sie überdies - bei Naturkatastrophen - lebensnotwendige Medikamente herbei oder retten Menschenleben. Diese Beispiele zeigen, daß der Amateurfunk nur ein reizvolles, ja aufregendes Hobby ist, daß er den Amateurfunkern im Sinne des Wortes unbegrenzte Möglichkeiten der Verständigung eröffnet, in Nord und Süd, Ost und West.

60 Jahre existiert der Amateurfunk in Deutschland. Er ist bis heute eine technisch­experimentelle Herausforderung geblieben. Die Beschäftigung mit den kurzen Wellen ist den Funkamateuren seinerzeit dadurch zugewiesen worden, daß die Behörden die sogenannten langen Wellen für ihre Zwecke reservierten. Die Technik war vor 60 Jahren jedoch nicht soweit gediehen, daß man die kurzen Wellen sinnvoll nutzen konnte. Erst umfangreiche Experimente und viel Arbeit führten zu der Erkenntnis, daß auch mit kurzen Wellen sehr lange Reichweiten erzielt werden konnten. Dabei war der Aufwand an Strahlungsenergie und damit auch die Kosten bei den kurzen Wellen weitaus geringer.

Im November 1923 stellten Funkamateure auf der Welle 110 Meter erstmals eine zweiseitige Transatlantikverbindung her. Dadurch wurden die kurzen Wellenschlagartig für den kommerziellen Nachrichtenverkehr interessant. Im November 1927 gab es eine Weltfunkkonferenz. Sie teilte den Funkamateuren heute noch geltende Frequenzbereich zu. Inzwischen hat die Technologie stürmisch neue Weg beschritten. Der Amateurfunker weiß sie zu nutzen, ganz gleich, ob es sich um den eigentlichen Funkbetrieb oder aber um das Funkfernschreiben, das Amateurfunk Fernsehen, um Wetterbilder (Meteosat) oder um die Nutzung des Satellitenfunk handelt.

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Zeitungsartikel vom 28.02.1987

Am Mikrofon Hermann Woertel (DL2BBT) aus Wilsum. Der Zeitungsartikel hier in höherer Auflösung (1.6 MB).

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